1. Überlegung, wie will ich das Fahrzeug einsetzen?

 So... ...oder lieber so?

Die meisten die sich für einen Camper oder ein Reisemobil interessieren, eines kaufen oder bauen wollen, zerbrechen sich den Kopf über das Wohin und Wie-lange der zukünftigen Reisen. Aber diese Fragen sind eher zweitrangig, denn viel wichtiger ist:
 

WIE will ich das Fahrzeug einsetzen?


Es gibt unzählige Möglichkeiten eine Reise zu gestalten, aber es ist auch gut möglich die "falsche Reise mit dem falschen Fahrzeug" zu machen. Es kann sehr frustrierend sein, wenn man eine Reise nicht so durchführen kann, wie man sie gerne würde oder wenn man Traumziele nicht erreichen kann, weil das Fahrzeug nicht dazu fähig ist.

Hier etwas überspitzt formuliert, ein paar Denkanstösse für Nutzungen und Konzepte auf leicht-LKW-Basis.


Der Sesshafte

Bild aus Wikipedia

«Wir fahren auf direktem Weg nach Südfrankreich, stellen den Camper auf den aus dem ADAC-Führer ausgesuchten und vor der Reise reservierten Campingplatz, schliesse Ver- und Entsorgung an, nehme den Roller aus der Heckgarage... usw.». 
 
Wer sowas möchte, wird wohl kaum über ein hochgeländegängiges Reisefahrzeug mit grosser Autonomie nachdenken, sondern eher in Richtung grosse integrierte- oder teilintegrierte 2WD-Camper schauen. Diese Fahrzeuge sind gross, schwer und unhandlich. Schlechtwegtauglich sind sie sowieso nicht, das ist aber auch nicht erforderlich. Sie haben zwar nur eine relativ geringe Autonomie, sie reicht aber für die paar Übernachtungen auf den Rastplätzen während der Anreise. Dafür punkten sie mit sehr viel Platz und Annehmlichkeiten fast wie Zuhause.

Der Teilzieher


 «Wir fahre meist von Campingplatz zu Campingplatz und suchen uns nur gelegentlich einen Platz irgendwo anders. Wir bleiben jeweils ein paar Tage am selben Ort, wollen aber nicht den ganzen Urlaub am selben Platz verbringen, möchten verschiedene Gebiete zum Wandern, Biken, Surven, Angeln usw. ansteuern».

Der Teilzieher braucht eigentlich keinen grossen Wassertank, Kühlschrank und Schmutzwassertank der Toilette, da sich auf den Campinplätzen genügend Gelegenheit zur Ver- und Entsorgung bietet. Trotzdem sind diese Reisefahrzeuge oft mit grossen Tankkapazitäten ausgestattet, was sie noch schwerer macht als sie eh schon sind. Dafür brauchen sie eine ausgeklügelte elektrische Installation um die Gerätschaften mit Landanschluss betreiben zu können und der Grauwassertank braucht auch eine stattliche Grösse. Es braucht grossen Stauraum um all die "unbedingt nötigen Dinge" mit nehemen zu können und auch etwas Unterhaltung für schlechtes Wetter ist sinnvoll. Einbruchschutz und Schutz der Privatsphäre sind ein wichtiges Thema. Das Gewicht spielt eine untergeordnete Rolle und auf herausragende Geländegängigkeit kann verzichtet werden, etwas Schlechtwegfähigkeit ist ausreichend.


Der Zugvogel


«Wir wollen die Pyrenäen bereisen und dann auf Nebenstrassen nach Galizien ziehen. Übernachtungsplätze nehmen wir was sich bietet, mal Camping, mal Wanderparkplatz, mal Feldrand, Waldweg oder Alpweide. Wenn es uns gefällt, bleiben wir auch mal ein paar Tage dort. Auch über eine Reise nach Island und entlang der Seidenstrasse denken wir nach...».

Ein grosses Fahrzeug ist für diese Nutzung nicht gut geeignet. Viele Ortschaften, Bergstrassen, Waldwege sind eng, man kann da und dort mal an ecken. Mit einem eher kompakten, wendigeren und nicht all zu schweren Fahrzeug mit etwas Geländegängikeit reist es sich bedeutend entspannter. Siehe Abmessungen und Gewicht. Dafür muss der Wassertank, Kühlschrank- Kühlbox und die Brennstoffversorgung für die Kochmöglichkeit auf eine grössere Autonomie ausgelegt werden. Die Bordstromversorgung muss leistungsfähig sein. Ein einfacher elektrischer "Landanschluss" ist nützlich, aber nicht zwingend erforderlich.

Der Herumtreiber


«Wir sind Outdoorfreaks und man trifft uns nicht oft auf Campingplätzen an, weil diese in den von uns bevorzugten Regionen selten sind. Wir bereisen in erster Linie abgelegene und einsame Gebiete. Die Karpaten, den Elburs, den Atlas, die Anden, Wüsten usw. Selten sind wir länger als ein- zwei- Tage am selben Ort. Das Fahrzeug wird auch verschifft werden...».

So ein Fahrzeug muss leicht, kompakt und wendig sein. Es braucht keinen elektrischen "Landanschluss", weil man kaum eine Möglichkeit findet, ihn zu nutzen. Die Batteriekapazität muss nicht sehr gross sein, weil die Standzeiten eher kurz sind. Auf einen grossen Grauwassertank kann verzichtet werden, ein paar Liter, oder ein alter Kanister unter dem Reisefahrzeug sind ausreichend. Dafür braucht es grossen und ausgeklügelten Wasservorrat, grosse Kühlmöglichkeiten, Stauraum für Verpflegung und Müll usw., damit man möglichst lange weit weg von der "Zuviel-isation" bleiben kann. Die Geländegängigkeit muss hervorragend sein, denn u.U. müssen auch mal miese Pisten befahren werden. 
 

Der Alleskönner

Bild aus Wikipedia

Nein, die Eierlegende Wollmilchsau 
gibt es leider nicht. Aber die verschiedenen Fahrzeugkonzepte sind "abwärtskompatibel". Mit dem hoch geländegängigen, auf grosse Autonomie ausgelegten Fernreisefahrzeug könnte man auch gut mal zwei Wochen auf einem Campingplatz stehen. Halt nicht so komfortabel wie der "Sesshafte". Aber mit dem grossen, schweren und mit allem möglichen und unmöglichen Luxus ausgestatteten WoMo wird es sehr mühsam bis unmöglich z.B. eine Reise über schmale, kurvenreiche Bergstrassen und durch abgelegene Dörfer zu machen.

Unser Rat

Neben diesen Beispielen gibt es noch viele andere Konzepte und Nutzungen. Das richtige Fahrzeug für sich und seine Bedürfnisse zu finden ist nicht leicht. Die Ausführungen oben sollen ein Denkanstoss sein, denn es wäre schade für die Zeit und das Geld, wenn sich das Reisefahrzeug unterwegs als untaugliches Monster erweist und es nach kurzer Zeit wieder verkauft würde.
 
Setze dich mit deinem Partner/in zusammen und diskutiert auf welche Art ihr Reisen möchtet! Erst wenn diese Frage geklärt ist, sollte die eigentliche Planung für euer Reisefahrzeug beginnen!


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