Geländegängigkeit

Gerade die Geländegängigkeit wird oft sehr kontrovers diskutiert. "Ich will ja gar nicht ins Gelände, Pistentauglichkeit reicht mir". Aber wer sagt denn, dass die Piste z.B. von den Auswirkungen der letzten Regenfälle verschont geblieben ist? In gebirgigen Regionen können Gewitter Pisten unterspülen, Randbefestigungen weg reissen, Furten auswaschen, Böschungen wegspülen. In Ebenen können sich Seen bilden, Flüsse können Geschiebe ablagern, der ausgetrocknete See zur Morastfläche werden. Oder der letzte Sturm hat die selten befahrene Piste mit Sand verweht. Können wir solche Pisten nicht befahren, kann dies u.U. zu grossen Umwegen führen oder man kann das Wunschziel nicht erreichen.
 
Auch sehr unangenehm und schon oft erlebt: Nach stunden- oder tagelanger Fahrt über miese Rüttelpisten, stehen wir vor einem Hindernis. Entweder wir fahren da durch, oder wir müssen umdrehen und alles wieder zurück...
 
Unterwegs auf einer Piste im Antiatlas in Südmarokko, 3 Wochen nach ungewöhnlich starken Regenfällen. Umdrehen = 3 Tage Umweg.
Also dann doch lieber Steine und Sandbleche schleppen und Rampen bauen!
  
Ein ordentliches Mass an Geländegängigkeit ist also ein grosser Vorteil! Es braucht jedoch nicht das "super geländegängige Spezialfahrzeug" für eine tolle Reise. Im Gegenteil, damit kann man sich eine Reise vermiesen! Trotz modernster Fahrwerkstechnik und Computeroptimierten Reifenprofilen, lässt sich die Physik nicht übertölpeln.

Je herausragender ein Fahrzeug im Gelände ist, desto schlechter sind seine Fahreigenschaften auf befestigten Strassen. 

Und jede Reise geht zu einem hohen Prozentsatz über befestigte Strassen. Muss man tausende von Kilometer nur in "Schleichfahrt vor sich hin schlingern" kann dies ganz schön aufs Gemüt schlagen.

Fragt man reiseerfahrene Weltreisende, hört man immer die selbe Antwort. Die Geländegängigkeit eines normalen Geländewagen reicht meist aus. Denn die Pisten, auch ins hinterletzte Dorf, sind nicht für das ultimative Geländefahrzeug (bzw. für das Ego des Besitzers) gemacht, sondern für die dort lebende Bevölkerung.
 
Fazit: Es besteht eine deutlicher Zusammenhang zwischen Grösse, Gewicht und Geländegängigkeit!
  • ein leichteres Fahrzeug ist in jedem Gelände einem schwereren überlegen
  • in schwerem Gelände entscheidet "jedes Kilo" Mehrgewicht über durchkommen oder steckenbleiben
  • je länger, breiter, höher ein Fahrzeug ist, desto schlechter ist seine Leistung im Gelände
  • je schwerer ein Fahrzeug ist, desto grösser, stabiler, schwerer muss auch das gesamte Bergezeug sein
  • für ein grosses und schweres Fahrzeug, muss man erst mal ein geeignetes Bergefahrzeug finden
  • je leichter und kompakter ein Fahrzeug ist, desto einfacher ist eine Bergung

Die Geländegängigkeit von sehr grossen Reisefahrzeugen (gern als Expeditionsfahrzeug bezeichnet) ist schlecht; ungeachtet ihrer eindrücklichen Erscheinung! Sie haben ein hohes Gewicht zu schleppen und ihre Abmessungen sind ausgesprochen behindernd. Wo ein kleineres Fahrzeug schnell darüber- oder drum herum fährt, bieten sich ihnen unüberwindbare Hindernisse. Viele interessante Pisten (wie z.B. die auf den Bildern oben) sind für solche Fahrzeuge unfahrbar!

Beide Bilder aus Offroad-forum.de

Comments