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Kühlen

Unterwegs möchte, sollte, muss man Nahrungsmittel und Getränke kühlen. Flüssige Butter, zerlaufender Käse, warmes Bier, grünliches Fleisch, schmierige Wurstwaren sind weder appetitanregend noch schmackhaft und die Gesundheit... auweiah!

 

Auf dem Markt gibt es verschiedene Geräte für den Betrieb in Reisefahrzeugen. Aber längst sind nicht alle für die doch erheblichen Belastungen eines Fernreiseeinsatzes geeignet, noch sind alle Systeme brauchbar bei grosser Hitze.

 

Hier eine Aufstellung der verschiedenen Systeme:
 

  

Thermoelektrische Kühlboxen mit Peltierelement

 

Mit Peltierelementen ausgestattete Kühlboxen werden in grosser Zahl und günstig in Campershops, Baumärkten und Supermärkten angeboten. Leider sind sie für den Dauereinsatz auf Reisen und bei grosser Hitze nur eingeschränkt zu gebrauchen und zudem verbrauchen sie viel Strom im Vergleich zu ihrer Kühlleistung. Der Stromverbrauch einer durchschnittlichen thermoelektrischen Kühlbox liegt bei etwa 50 Ah pro Tag, mehr als doppelt so hoch wie eine gleich grosse Kompressorkühlbox.
 
Durch Anlegen von Spannung entsteht auf der einen Seite des Peltierelement Wärme, auf der gegenüberliegenden Seite Kälte. Leider ist der Wirkungsgrad und die Leistung dieser thermoelektrischen Elemente nicht sehr gross. Im besten Fall beträgt die maximale Kühlleistung von hochwertigen Markenkühlboxen (Temperaturdifferenz) etwa -30° im Vergleich zur Aussentempratur. Erschwerend kommt dazu, dass die Temperatur, die auf der warmen Seite entsteht, abgeführt werden muss. Bei hohen Aussentemperaturen sinkt die abgegebene Wärmemenge und desshalb sinkt auch die Kühlleistung. Bei einer Aussentemperatur von 35° liegt die Kühlleistung meist nur noch bei etwa -20° Temperaturdifferenz. Die Kühlbox erwärmt sich im Innern also langsam aber sicher auf etwa 15°.
  
Der Innenraum eines Reisefahrzeugs, dass in der Sonne steht, kann sich aber leicht auf deutlich höhere Temperaturen aufheizen. Bei Temperaturen über 40° bricht die Kühlleistung regelrecht ein, die Temperaturdifferenz sinkt dann unter -15°. Die Kühlbox verbraucht zwar immer noch Strom, kühlt aber kaum mehr.
 
Besonders heikel dabei, das Kühlgut erwärmt sich und Bakterien vermehren sich kräftig. Sinkt die Aussentemperatur wieder, (Abend, Schatten, Weiterfahrt) steigt die Kühlleistung wieder, das Kühlgut wird wieder herunter gekühlt und ist beim herausnehmen kühl, vermeintlich ständig gekühlt = geniessbar!
 
Die billigen, in Baumärkten angebotenen Kühlboxen bieten oft nur eine Temperaturdifferenz von -15°. Eigentlich sind sie nur für das Kühlhalten von gut vorgekühlten Lebensmitteln oder Getränken für den nachmittäglichen Badeausflug zu gebrauchen.

Weiterer Nachteil: Ventilator- und Elektromotor von thermoelektrischen Kühlboxen sind selten gut gekapselt, Sand und Staub kann sie einbremsen oder ganz stilllegen. Die Kühlleistung sinkt dann erheblich.
 
 

Gaskühlschränke, Absorberkühlschränke

 
Absorberkühlboxen sind für Reisefahrzeuge nicht geeignet, da sie bei Betrieb CO2 in die Umgebung abgeben.
 

Absorberkühlschränke haben eine gute Kühlleistung, arbeiten völlig geräuschlos und sind weitestgehend wartungsfrei, da sie keine mechanischen Teile haben. Ihr Gasverbrauch ist gering, er liegt je nach Grösse des Kühlschranks um 250 bis 350 Gramm/Tag

  

Ihre Kühlleistung im Vergleich zur Aussentemperatur (Temperaturdifferenz) beträgt um die -35°, reicht also in den meisten Fällen aus. Grundsätzlich braucht ein Absorberkühlschrank mehrere Stunden, um auf Betriebstemperatur herunter zu kühlen. Fast alle sind desshalb mit Peltierelementen mit 12 Volt Anschluss oder auch mit 240 Volt für die Kühlung bei Fahrt oder für ein Vorkühlen vor Reisebeginn  ausgestattet. Die 12 Volt-Kühlung sollte sich bei Abstellen des Motors oder Abhängen der 240 Volt Stromversorgung selbstständig ausschalten, um ein Entladen der Versorgerbatterie zu verhindern.

 

Der grosse Haken, der Absorberkühlschrank muss waagerecht stehen. Schon geringe Schräglagen sorgen dafür, dass der Kühlschrank nicht funktioniert. Zudem brauchen diese Kühlschränke eine gute Belüftung mit Aussenluft. Wind von der falschen Seite kann den Kühlschrank zum "ersticken" bringen, er kühlt dann nicht mehr. Deutlich schlimmer, bei Undichtigkeit zwischen Einbaukasten (Belüftung) und Wohnraum, mit Wind von der falschen Seite kann CO2 in den Wohnraum dringen!
 
Bemerkung: Leider halten Gaskühlschränke, zusammen mit Gasheizungen, den zweifelhaften Rekord bei Tod durch Ersticken in Campern! Bei Fernreisefahrzeugen werden Einbaugeräte erheblich grösseren mechanischen Belastungen ausgesetzt als bei "normalen Strassencampern". Viele Geräte sind nicht für eine derartige Belastung ausgelegt und altern deshalb erheblich schneller.
 
 

Kompressorkühlboxen, Kompressorkühlschränke

 

Kühlen wie zuhause? Das ist Kühlen mit Kompressorkühlboxen oder -schränken. Die Kühlleistung ist in jedem Fall ausreichend, sie liegt deutlich über -40° Temperaturdifferenz, (WAECO gibt für die Cool Freeze CFX -50° an). Bei dieser  grossen Temperaturdifferenz wäre selbst ein Tiefkühlen bei sommerlichen Temperaturen kein Problem.

 

Kompressorkühlboxen  gibt es in diversen Grössen, von 11 bis 100 Liter Inhalt. Bei den Kühlschränken gibt es auch grössere. Je grösser die Kühlbox -schrank, und je grösser die Temperaturdifferenz innen/aussen, desto höher der Stromverbrauch. Er ist aber für Reisefahrzeuge noch gut handhabbar. Eine gut gefüllte WAECO CF18 Kompressorkühlbox  verbraucht bei Ø20°C Umgebungs- und 5°C Innentemperatur zirka 10 Ah und bei Ø32°C etwa 16 Ah pro Tag. (Ø=Durchschnittstemperatur über 24 Stunden)

 

Zudem kann man den Stromverbrauch deutlich verringern, indem man sie zusätzlich isoliert. Alle Hersteller bieten dafür Zusatzisolationen in Form eines "Überziehers" an. Eine Zusatzisolation lässt sich aber auch problemlos selber herstellen. Stromsparen kann man auch, wenn man die Kühlbox bei Hitze/Sonne aus dem Camper nimmt und in den Schatten stellt z.B. unter das Fahrzeug. Die Anschlusskabel sind meist lang genug dafür, sonst gibt es Verlängerungen zu kaufen. Begnadete Stromsparer (und Geräuschempfindliche) stellen die Kühlbox über Nacht ins Freie.

 
Ein weiterer grosser Vorteil, sie funktionieren auch in Schräglage einwandfrei!

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Kompressorkühlboxen und -schränke sind nicht geräuschlos und zudem recht teuer und schwer. Der Kühlkompressor wird durch einen Elektromotor angetrieben und z.B. feiner Sand kann diese  Kombination  schneller altern lassen als von den Herstellern angenommen. Trotzdem gibt es für Fernreisefahrzeuge nichts geeigneteres als Kompressorkühlboxen.
 
Bekannteste Hersteller sind: WAECO und Engel (wobei Engel zu WAECO gehört)

 

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