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Diesel & Dieselqualität


Dieselkreislauf

Das folgende Diagram zeigt den typischen Kraftstoffkreislauf bei einem zum Reisefahrzeug spezialisierten Bremach neueren Datums. Nicht relevante Details sind weggelassen.


1 – Siebfilter, 2 – Pumpe zum Haupttank, 3 – SEPAR-Filter, 4 – Niederdruckpumpe, 5 – Kraftstofffilter, 6 – Hochdruckpumpe.

Erläuterungen

  • Das Siebfilter (1) dient zum Schutz der Pumpe (2) vor festen Partikeln.
  • Die Pumpe (2) ist typischerweise leistungsgleich mit Pumpe (4) und kann als Ersatzteil verwendet werden.
  • Pumpe (2) wird vom Fahrer über einen elektrischen Schalter ein- und ausgeschaltet; je nach Verschaltung lässt sich sowohl der Tankfüllstand des Haupt- wie des Zusatztanks ablesen.
  • Pumpe (4) fördert erheblich mehr Kraftstoff (ca. 170 L/h) zur Hochdruckpumpe als den Zylindern durch die Hochdruckpumpe (6)  zur Verbrennung eingespritzt wird; der Überschuss fliesst erwärmt über die Rücklaufleitung zurück in den Haupttank.
  • Der Kraftstofffilter (5) ist feinporiger als der Papierfilter im SEPAR (siehe unten).

Dieselentnahme


Entnahme-Rücklauf-Schwimmereinheit, wie sie typischerweise in Bremach-Dieseltanks verbaut ist. Der Rücklauf vom Motor fliesst durch den Gummischlauch zurück in den Tank. Der Schlauch ist länger als der Tank tief ist. Dadurch weist der Austrittspunkt des warmen Diesels immer ein eine  gewisse räumliche Distanz zum Ansaugpunkt (Metallrohr) auf, um einen hydraulischen Kurzschluss zu verhindern.

So ist es nicht möglich, dass heisser Diesel aus dem Rücklauf gleich wieder durch das Saugrohr angesaugt wird und zu Problemen führen kann. Dieseltanks

Siehe auch die elektrischen Details dieser Einheit.


Dieselqualität generell

Diesel wird gern im grossen Stil und organisiert geschmuggelt und an Tankstellen verkauft. So ist/war z.B. in der Türkei auch billiger, stark verschwefelter (>5000ppm) Diesel aus Syrien, Irak und Iran im Verkauf. Natürlich ohne jeglichen Hinweis an der Tanksäule und zum "türkischen" Preis.
 
Man sollte sich im Grenzgebiet zu Ländern mit günstigem, schwefelhaltigem Diesel, nicht auf die Angaben aus der UNEP-Karte verlassen.
 
Leider hat sich die Dieselqualität in den letzten Jahren auch in Europa verschlechtert. Grund dafür ist die aufgezwungene Beimischung von Biodiesel.
 
Diesem Kommentar eines Profis gibt es wohl nichts mehr beizufügen:
 
Durch die in Deutschland und Österreich erfolgende 7%-ige Biodiesel-Beimischung zum Diesel gelangt auch Wasser in den Diesel. Da der Biodiesel hygroskopisch ist (also Wasser anzieht), und es auch keine verbindliche Mindest-Wassermenge für Biodiesel gibt, ist das ein ganz erhebliches Problem.

 

Da der SEPAR-Filter nun darauf getrimmt ist, alles Wasser aus dem Diesel herauszufiltern, lagern sich somit Wasser(-tröpfchen) im Spezialpapier des Filtereinsatzes ab. Dieses gefriert bei tiefen Temperaturen und verringert den Dieseldurchfluss zum Hauptfilter.

 

Symptom dafür: Motor startet, läuft zwar am Stand, aber beim Anfahren (also Last abrufen) stirbt er ab, weil er dann zuwenig Diesel erhält.

 

Das verrückte daran ist, dass wir ohne SEPAR gar nicht wüssten, dass Wasser in userem "EU-Qualitäts" Diesel überhaupt existiert.
 
Man muss sich das vor Augen halten! Wir rüsten Fernreisefahrzeuge mit einem speziellen Filtersystem aus, um mit Wasser gestreckten Diesel in Drittweltländern zu reinigen, und dann bleiben uns diese Autos in A und D im Winter stehen... Weil der SEPAR einfach seinen Job macht und eben alles ausfiltert, was nicht in den Diesel gehört.

 

Ich bin sicher, dass eine Vielzahl an CR-Pumpen und Düsenschäden in unseren Breiten auf Wasser im Diesel zurückzuführen sind.
 

 

Schwefelgehalt

Ein hoher Schwefelanteil im Diesel (>350ppm) kann zu verstopftem Dieselpartikelfilter führen.
 
Mehr infos dazu hier: DPF-Dieselpartikelfilter
 
Welche Länder welchen Schwefelanteilen im Diesel besitzen ist, unter oben genannten Vorbehalten, auf der:
 
 
 

Dieselpest


Ein Problem mit steigender Tendenz ist Dieselpest. Dabei handelt es sich um Bakterien, Pilze und Hefen die in den Tanks ganze "Bakterienrasen" bilden können. Dieselpest endgültig loszuwerden ist ohne Einsatz von Chemie nicht möglich. Wenige Pesthäufchen reichen aus um den Tank von neuem zu besiedeln. In Zusatztanks trifft man sie deutlich häufiger an als im Haupttank. Der Diesel im Haupttank wird durch den Dieselkreislauf (siehe Grafik oben) erhitzt, unter hohen Druck gesetzt und ist ständig in Bewegung.


Als Mittel der Wahl empfehlen wir Grotamar82. Es hat in mehreren Tests als bestes Produkt abgeschnitten!

Chemie hilft zwar eine Besiedlung zu stoppen, aber die abgestorbenen Bakterienhaufen verschwinden deswegen nicht. Sie verbleiben im Tank, werden angesaugt und verstopfen die Dieselfilter. 
Oft lässt es sich nicht vermeiden, den Tank abzubauen um ihn gründlich zu reinigen! 

Begünstigt wird die Dieselpest durch mit Wasser verunreinigten Treibstoff, die Beimischung von Biodiesel (wegen seinem Wasseranteil) und durch Wärme.

 

Bakterienhaufen am Ansaugsieb (Zusatztank T-Rex)Blick in einen Zusatztank (T-Rex) mit Bakterienhaufen


Wasser im Diesel

Wasseransammlung am Boden eines 130 Liter Tanks (Landrover Defender)
 
Neben dem erlaubten* Wasseranteil der sich im Diesel befinden kann und der ansich schon ein Problem darstellt, kann auch ohne weiteres deutlich mehr Wasser in den Dieseltank gelangen. Dieses Wasser kann im Winter erhebliche Probleme bereiten, bei Minustemperaturen können sich Eiskristalle bilden und Filter verstopfen.
 

Gemäss EN ISO 12937 darf der Wassergehalt im Diesel 200 mg/Kg betragen.

 

Aber wie viel ist dass denn eigentlich?

 

Diesel wiegt 820 - 845 Kg/m³ ( 1 Liter Diesel wiegt 0,820 Kg bis 0,845 Kg), Wasser wiegt 1000 Kg/m³ also:

Tankinhalt 150 Liter (~ 125 Kg X 0,0002 Kg Wasser = 0,025 Kg) 0,025 Kg Wasser = 0,025 Liter Wasser

 

Das entspricht 1 1/4 (1,25) Schnapsglas = Ein gut über den Eichstrich eigeschenktes Schnapsglas pro Tankfüllung !!!

 

 

Gründe für den Wassereintrag

Der schon bei der Betankung im Diesel vorhandene Wasseranteil, siehe oben.
 
Die Kondenswasserbildung, die im Tank entsteht. Der Diesel wird im Laufe seines Durchlaufes durch den "Motor" erwärmt und diese Wärme in den Tank abgeführt. Dort kühlt der Diesel ab und daraus entstehen geringe Mengen Kondenswasser. Zugeführt wird diese Feuchte durch das Ansaugen von Umgebungsluft, durch die Tankbelüftung, in den Tank. Die dabei anfallenden Mengen sind allerdings gering.
 
Deutlich grössere Mengen Wasser werden bei Regenwetter direkt über die Tankbelüftung angesaugt. Bei nasser Fahrbahn zieht jedes Fahrzeug eine Gischtwolke hinter sich her. Auch wenn man nicht vom Vordermann eingenebelt wird, ist diese Wolke da. Sie entsteht direkt nach den Vorderrädern. Bei fast allen Fahrzeugen wird der Tank über den Tankdeckel belüftet und ist dort mitten in dieser Wolke drinnen.
 
Erhebliche Mengen Wasser können aber auch ganz einfach zugetankt werden, durch defekte, undichte Tankstellentanks oder ihre Be- und Entlüftungen

Beim Tanken aus Fässern in Afrika kann auch gut ein gewisser Anteil Wasser absichtlich zugemischt werden (gepanscht) um den Gewinn zu erhöhen.
 
 

Andere Verunreinigungen

Metallspäne, Sand, Kupferdrähte, Plastikteile, Tannnadeln, Nietenteile, Stoff-,  Papier- und Dichtmittelreste usw. sind nur ein paar Dinge, die wir schon in Treibstofftanks oder Vorfiltern gefunden haben. Diese Verunreinigungen sind kein grosses Problem, sie sind leicht aus zu filtern. Lediglich bei Treibstoffpumpen die im Tank des Fahrzeugs verbaut sind (Intankpumpen) kann dies zu Problemen führen, wenn sie durch die Pumpe angesaugt werden und dort allerhand Schaden anrichten. Bei Fahrzeugen mit externer Treibstoffpumpe ist leicht ein Filter vor die Pumpe zu verbauen der, je nach Bauart, bis über 90% aller Verunreinigungen ausfiltert.


Problematische Verunreinigungen sind schwere Mitteldestillate aus dem Bodensatz der Tankstellen, sie lösen sich zunächst im Dieselkraftstoff recht gut, bis sie entweder in feinen Filtern, oder der Hochdruckpumpe landen.

 

Schwarze, teerartige Ablagerung im Papierfilter eines SEPAR-Filters =schwere Mitteldestillate


Lösungen

Gegen den Schwefel im Diesel gibt es kein Mittel, ausser "Euro oder Premium Diesel" zu tanken, sofern dieser dann überhaupt im Reiseland erhältlich ist. Oder das Fahrzeug vor der Reise von einer Fachwerkstatt modifizieren lassen. 

Mehr dazu hier:  DPF-Dieselpartikelfilter 
 
Gegen andere Verunreinigungen und Wasser im Diesel hingegen gibt es eine geniale und einfache Lösung, den...
 
 

SEPAR-Filter

Der SEPAR-Filter ist ein Zentrifugalfilter mit nachgeschaltetem Papierfilter. Für unsere Belange und Motorgrössen sind die SEPAR-Filter SWK-2000/5 oder SWK-2000/5/50 optimal.
 
Schwere Verunreinigungen und Wasser werden herausgeschleudert und sammeln sich am Boden des Sammelbehälters, der Bowl. Die feinen oder leichten Verunreinigungen hingegen schwimmen im Treibstoffstrom mit und werden erst im Papierfilter ausgefiltert. 
 
Mit den 30 µm Filtereinsätzen (Typ 00530 oder 00530/50) ist die Filterleistung schon sehr gut und absolut ausreichend. Es müssen nicht extra die schwieriger erhältlichen Filtereinsätze mit 10 µm verbaut werden.
 
So bestückt filtert der SEPAR-Filter fast alle Verunreinigungen aus dem Dieselkraftstoff aus und schützt so die Vorförderpumpe, die Hochdruckpumpe und die Injektoren vor Beschädigungen und verlängert die Standzeit des nach der Vorförderpumpe verbauten "normalen" Treibstoffilters enorm.

Der Blick in das Schauglas des SEPAR lässt nur erkennen, ob schwere Verunreinigungen und Wasser ausgefiltert wurden. Leichte Bestandteile können sich trotzdem im Treibstoff befunden haben und sich im Papierfilter ansammeln. Daher ist der Papierfilter auch bei sauberer Bowl mindestens 1x jährlich zu kontrollieren und nötigenfalls zu ersetzen — eine Kilometerleistung kann nicht sinnvoll angegeben werden, denn der Verschmutzungsgrad hängt vor allem von der verwendeten Dieselqualität (siehe oben) ab.
 


Bei Problemen, die auf mangelnde Dieselzufuhr schliessen lassen, z.B. plötzliches Motorabsterben während der Fahrt mit problemlosem anschliessenden Starten, sollte auch der Papierfilter im SEPAR kontrolliert werden (Verschmutzung, Vereisung). 




(abgeschiedenes Wasser ist bei genauem Hinsehen ganz unten im Glas zu sehen)


Details
  • In Regionen mit extrem verschmutztem Diesel (z.B. Ost-Iran, Pakistan [viermalvier-Thread]) muss sowohl der Schlick, der sich unten im Schauglas bildet, wie auch der im Papierfilter zurückgehaltene Schmutz entfernt, resp. das Papierfilter ausgetauscht werden.
> Es empfiehlt sich also, das Papierfilter von Zeit zu Zeit auszubauen und spezifisch zu kontrollieren, sowie, generell, Ersatz-Papierfilter mitzunehmen.
  • Papierfilter kann bei tiefen Temperaturen vereisen (ab -10°C) [viermalvier-Thread]

    Symptom: Motor lässt sich starten und läuft im Leerlauf; nach dem Anfahren stirbt der Motor ab.
Abhilfe: Papierfilter ausbauen gemäss Anleitung im Diskussions-Thread
  • Papierfilter kann verschmutzen und Diesel-Ansaug-Druck so weit reduzieren, dass der Motor ausgeht, ohne dass im Schauglas Schmutz zu sehen ist oder war [viermalvier-Thread]

 

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