Durchgang ins Fahrerhaus

Am Thema Durchgang- oder besser kein Durchgang ins Fahrerhaus scheiden sich die Geister. Eigentlich zu unrecht, denn beide Varianten bieten Vor- und Nachteile. Viele bei hitzigen Diskussionen ins Feld geführten Bedenken sind, bei genauerer Betrachtung, etwas realitätsfern.

 

Vorteile eines Durchgangs:
  • Die Fahrerkabine kann als zusätzlicher, gut zugänglicher Stau- oder Wohnraum beim Campen genutzt werden
  • Man kann schnell nach hinten um Essen oder etwas zu Trinken oder sonst was holen
  • Wird der Wohnaufbau beheizt, kann die Kühlbox ins unbeheizte Fahrerhaus (Stromsparen) und ist trotzdem leicht zu erreichen
  • Man hat bei der Fahrt sein Zuhause im Blick, sieht z.B. wenn ein Türchen offen steht
  • Der Aufbau kann bei der Fahrt mitgeheizt oder gekühlt werden
  • Unterhaltungselektronik des Fahrerhauses kann auch für die Wohnkabine genutzt werden
  • Im Stau, auf Fähren oder beim Bahnverlad kann man es sich hinten gemütlich machen und ist doch sofort bereit zum los- oder weiterfahren
  • Der Durchgang, bzw. die Fenster in der Fahrkabine dient als zusätzliche Lüftungsmöglichkeit für den Wohnaufbau
  • Während der Eine fährt, kann der Andere nach hinten um sich aus zu ruhen. Zwar nicht ganz legal, aber hilfreich bei langen Strecken und bestimmt erholsamer als sich auf dem Beifahrersitz "festklemmen" zu müssen

Nachteile:
  • Je nach Fahrgestell muss ein Faltenbalg verbaut werden (teuer)
  • Der Innenraumgestaltung sind gewisse Grenzen gesetzt
  • Bei kühlen/kalten Temperaturen bildet sich Kondenswasser in der unisolierten Fahrkabine *
  • Steht das Fahrzeug in der Sonne heizt sich über das Fahrerhaus auch der Wohnteil auf *
  • Fahrgeräusche sind lauter, wegen dem grossen Resonanzraum des Wohnkoffers *
Die mit einem * versehenen Argumente sind eigentlich nicht stichhaltig, denn:

Wichtig: Der Durchgang ins Fahrerhaus sollte irgendwie isoliert zu verschliessen sein, je schmaler der Durchgang ist desto besser! Sonst hast du bei kühlen oder gar kalten Temperaturen am Morgen eine Tropfsteinhöhle im Fahrerhaus. Das ist unangenehm und schadet auf Dauer der Elektrik. Auch beim In-der-Sonne-Stehen durch den Tag ist es gut, wenn der Durchgang sich schliessen lässt. Das Fahrerhaus kann sich ganz schön aufheizen, und dann wird es im Wohnteil unnötig warm. Das ist übrigens eines der grössten Probleme bei den intergrierten und teilintegrierten WoMo's "von der Stange".


 Vorteile "kein Durchgang":

  • Keine Einschränkung in der Innenraumgestaltung
  • Günstiger

 

Nachteile:

  • Man muss anhalten, aussteigen und hinten hochklettern, wenn man was braucht
  • Ein Durchgang ist auch ein Durchblick; ohne Durchgang ist eine Luke oder ein Fenster nach vorne empfohlen, sodass man z.B. nachts nachschauen kann, wenn sich etwas vor dem Fahrzeug tut.

Sicherheit: Zum Thema Einbruchsicherheit oder Überfall gibt es zum Teil sehr seltsame Argumente für oder gegen einen Durchgang ins Fahrerhaus. Ein paar Fakten:


  • Unsere Fahrzeuge sind keine gepanzerte Geldtransporter, wo man sich bei einem Überfall verbarrikadieren kann
  • Ein- oder mehrere entschlossene Einbrecher knacken den Wohnaufbau gleich schnell wie die Fahrerkabine
  • Die gern zitierte "Flucht ohne Aussteigen" ist unmöglich, wenn z.B. ein Auto den Weg verstellt, oder die Banditen bewaffnet sind
  • Auch der Durchgang ins Fahrerhaus kann mit abschliessbarer Türe versehen werden, (z.B. dasselbe System wie die Eingangstüre oder Stauklappe)

 

DichtheitOrdentlich ausgeführt, sind die Verbindungen zwischen Fahrerhaus und Wohnaufbau absolut dicht. Für IVECO und SCAM sollte ein Faltenbalg verbaut werden. Bei BREMACH-Fahrzeugen kann der Wohnaufbau direkt an die Fahrerkabine angesetzt werden. Bei BREMACH's wird meist die Rückwand der Fahrerkabine herausgetrennt, die Frontwand der Wohnkabine mit dem Führerhaus verklebt und ein Durchgang ausgeschnitten (ist mittlerweile Standard z.B. bei Ormocar).

 

Fazit: Es gibt kein hieb- und stichfestes Argument für oder gegen einen Durchgang ins Fahrerhaus und somit bleibt es dem Geschmack des Ausbauers/Auftraggebers überlassen, wie er sich entscheidet.


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